Klassiker im Griot-Hörbuchverlag
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Aktionslaufzeit bis 27. Februar 2009
Der Filderstädter Hörbuchverlag mit dem ungewöhnlichen Namen Griot startete mit drei Hörbuch-Reihen und bietet Titel aus den Rubriken Klassiker der Weltliteratur, Phantastische Bibliothek und Lyrik mit Musik an. Der aus dem Afrikanischen stammende Verlagsname bezeichnet einen Erzähler, der die Mythen und Geschichten seiner Kultur mündlich an die nächste Generation weitergibt und ist Programm. Wenngleich das zunächst in den neuen Reihen herausgegebene kulturelle Wissen eurozentriert und die Weitergabe zumindest in der Klassikerreihe vollkommen sprachkonzentriert ist und auf jegliche instrumentelle Begleitung verzichtet. Dass sich auch auf diese Weise kulturelle Traditionen neu beleben lassen, zeigt die Auswahl der wenig bekannten Erzählung von "Des Lebens Überfluss". Ludwig Tiecks Schilderung eines jung verheirateten, in bitterster Armut lebenden Paares stimmt nachdenklich und anrührend. Der gebildete Bürgerliche Heinrich und seine von ihrer Adelsfamilie verstoßene Frau Klara zehren einzig vom Glück ihrer Liebe bis die Wirklichkeit jäh in die gemeinsame Idylle einbricht …
Heiner Heusinger zeichnet bei der gesamten Reihe für die Einrichtung und Lesung der Texte verantwortlich. Er trägt Ludwig Tiecks Erzählung mit Empathie und konzentrierter Aufmerksamkeit vor.
Mit dem "Mann von fünfzig Jahren" von Johann Wolfgang von Goethe wurde eine Geschichte ausgewählt, die den Klassiker von seiner leichten, unterhaltsamen Seite zeigt und von allbekannten Seelenzuständen handelt. Der Zweckheirat zwischen Neffe und Nichte, die ein Erbe sichern soll, steht die Liebe im Wege. Die junge Nichte verliebt sich in ihren älteren Onkel – einen Mann von fünfzig Jahren.
Bei der "Marquise von 0.", einer Erzählung, die bei ihrem Erscheinen vor allem negative Kritik erhielt, stellt Heinrich von Kleist eine verwitwete Frau, Mutter von mehreren Kindern, in den Mittelpunkt, um die sich in den Augen der Familie wie Gesellschaft skandalöse Geschehnisse ranken. Die Marquise von 0. ist nämlich schwanger und hat dafür keine Erklärung. Mittels einer Zeitungsannonce hofft sie nun, den Kindsvater zu finden, den sie heiraten will …
E. T. A. Hoffmanns Kriminalgeschichte schließlich, sie gilt als die erste deutsche, spielt in der Zeit Ludwig XIV. und berichtet von einer rätselhaften Mordserie in Paris, um deren Aufklärung sich die angesehene französische Schriftstellerin Madame de Scudéri bemüht. Hergang und Opfer gleichen sich stets: Adlige Edelleute, die Schmuck bei Frankreichs berühmtestem Goldschmied Cardillac anfertigen ließen, werden nachts auf dem Weg zu ihren Geliebten ausgeraubt und ermordet. Mit der Macht einer ebenso eindringlichen wie lebendigen Erzählung gelingt es der Künstlerin schließlich den absolutistischen Herrscher zu bewegen, einen zu Unrecht Beschuldigten vor dem Tod zu bewahren. Heusinger liest diese Geschichte mit Sinn für Spannung, Rhythmus und Tempo, sodass die Hörer dem Schicksal der Personen mit Interesse und Anteilnahme folgen können. Dies gilt ebenso für "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" von Adelbert von Chamisso, der bislang letzten Produktion in dieser ebenso unterhaltsamen wie anregenden neuen Klassikerreihe des Griot-Hörbuchverlages. (Ulrike Bischof)
Auswahl und Redaktion:
Gisela Laufer (ekz-Lektorat)
Gisela.Laufer(at)ekz.de
